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Der Mythos iPhone und iPad

Seit einem Jahr nutze ich verschiedene Android-SmartPhones. Vor ungefähr einem Monat habe ich begonnen, zusätzlich das Apple iPad2 zu nutzen. Eine gute Gelegenheit also für einen Systemvergleich.

Homescreen

Allgemein wird ja Apple gemeinhin mit einfacher Bedienung assoziiert. Im direkten Vergleich zwischen iOS und Android kann ich das nicht nachvollziehen.

Fangen wir einmal bei dem Homescreens an. Bei Android sind alle Programme immer in einem Programmmenü zu finden, bei den meisten Implementierungen alphabetisch sortiert. So findet man jedes Programm recht leicht, egal, wo man den Shortcuts sonst hingetan hat. Die Homescreens sind weitgehend anpassbar an die Bedürfnisse des Benutzers. Ich kann beliebig Shortcuts zu Programmen positionieren, auch zu ein und derselben App mehrfach. So kann ich z. B. einen Homescreen für das Büro, einen für Öffis, einen für das Auto usw. machen. Teilweise finden sich darauf die gleichen Apps. Aber ich kann situationsbezogen meine Bildschirme anordnen.

Bei iOS ist das nicht möglich. Jede App kann nur einmal auf einem Homescreen oder in einem Ordner angeordnet sein. So bin ich häufiger dazu gezwungen, zwischen den Homescreens hin und her zu wischen, um die gesuchte Anwendung zu finden. Eine alphabetische Liste gibt es nicht. Als Workarround kann ich zwar Apps in das sogenannte Dock legen, die dann auf allen Homescreens verfügbar sind, aber das geht nur für maximal 6 Apps. Habe ich eine App "verlegt" hilft mir nur mehr die Suchfunktion.

Dass bei Android die Homescreens zusätzlich noch Widgets enthalten können, die viel mehr Infos anzeigen können als die pure Zahl beim App-Icon von iOS, ist hinlänglich bekannt. So kann man bei Android auf einem Blick viel mehr Informationen erfassen.

Lockscreen

Sie waren kurz am WC oder haben ihr Gerät aus einem anderen wichtigen Grund für ein paar Minuten allein gelassen? Kein Problem bei Android: Die meisten Geräte zeigen mit einer blinkenden LED an, dass Sie etwas verpasst haben. Ein kurzes Einschalten und Sie sehen noch während der Bildschirm gesperrt ist, was Sie verpasst haben: ein Mail, einen Anruf, eine SMS oder alles gleichzeitig. Und wenn das Handy Musik abgespielt hat, können Sie die Musikwiedergabe z. B. bei HTC-Geräten auch gleich fortsetzen, ohne erst in die Musik-App wechseln zu müssen.

Anders bei iOS: Außer der Datum und Uhrzeit wird bei gesperrtem Bildschirm gar nichts angezeigt. Auch eine LED zur Signalisierung von Verpasstem fehlt. So beobachtet man iPhone- und iPad-Besitzer immer wieder dabei, wie sie ihre Bildschirmsperre aufheben, nur um festzustellen, dass sie nichts verpasst haben. Wie viele Stunden Arbeitszeit jährlich dadurch verloren gehen, sollte mal untersucht werden.

Benachrichtigungen

Bleiben wir gleich beim Thema. Angenommen Sie recherchieren mit Ihrem SmartPhone gerade im Internet, ob man Melanzani eigentlich auch roh essen kann (EHEC lässt grüßen!), was auf den kleinen Geräten bekanntlich immer etwas länger dauert als auf einem richtigen Computer. Währenddessen kommt eine wichtige Mail des Chefs.

Bei Android werden Sie je nach Einstellung mittels Hinweiston und oben in der Benachrichtigungsleiste mittels Brief-Symbol darauf aufmerksam gemacht. Die Benachrichtigungsleiste ziehen Sie mit einem Fingerwisch herunter, tippen auf das Briefchen und lesen schon die Mail.

Die i-Geräte hingegen spielen nur einen Hinweiston. Dumm, wenn man entweder in einer sehr lauten Umgebung ist und den Ton überhört, oder den Ton aus Diskretion abgeschaltet hat. Denn sonst gibt es keinen Hinweis. Dass Sie eine neue Mail haben, sehen Sie frühestens, sobald Sie auf den Homescreen zurückwechseln und dann auch nur, wenn gerade das Icon der Mail-App sichtbar ist.

Doch das iOS erachtet manches doch für wichtig. Zum Beispiel eine Einladung zu einer Besprechung. Deshalb zeigen iPhone und Co. in diesem Fall einen modalen Dialog an. Modal heißt, man muss diesen auf jeden Fall bestätigen, um mit seiner aktuellen Tätigkeit fortsetzen zu können. Pech, wenn man gerade an einer wichtigen Mail geschrieben und jetzt den Faden verloren hat.

Allgemeine Bedienung

iPhone- und iPad-Benutzer sollen ja nicht mit vielen Tasten verwirrt werden. Außer Einschalt-, Lautlos- und Lautstärketasten haben iOS-Geräte daher nur eine Taste, um auf den Homescreen zurück zu gelangen.

SmartPhones mit Android (und Windows Phone 7 übrigens auch) hingegen haben unter anderem zwingend eine Zurücktaste. Damit gelangt man zuverlässig zum vorherigen Bildschirm oder Dialog zurück oder bricht die gerade gestartete Aktion ab. Schon nach kurzer Zeit finden Android-Anwender diese Taste auf ihrem Telefon blind.

Anders beim iOS: Wie man den gerade offenen Dialog schließt, ist immer anders. Manchmal muss man links oben auf Fertig tippen, manchmal rechts unten auf Schließen. Manchmal sind die Schaltflächen auch rechts oben oder links unten. Schlimmer noch: Es kommt vor, dass links oben zwar Fertig angezeigt wird, aber die Taste gar nicht reagiert und man stattdessen auf das Symbol für Vollbild tippen muss, um z. B. ein Video zu beenden. Und es gibt auch Dialoge, die gar keine Taste haben, sondern die man schließt, indem man außerhalb tippt. Verwirrend!

Richtig kompliziert wird es, wenn man eine App aus einer anderen heraus aufgerufen hat. Um dann zurück zu gelangen, muss man die Home-Taste doppelt drücken und dann am unteren Bildschirmrand aus der Liste der zuletzt verwendeten Apps wieder die ursprüngliche auswählen. Zum Glück ist das immer die erste in der Liste. Unter einfach verstehe ich trotzdem anderes. Die Funktion, die zuletzt benutzen Apps schnell auf den Bildschirm zu holen, kennt Android übrigens auch. Hier muss man die Home-Taste nicht doppelt sondern lang drücken.

Ein weiterer Unterschied ist die Menü-Taste. Android-Geräte haben zwingend eine Menü-Taste. Je nach App kommen nach Drücken derselben zahlreiche zusätzliche Befehle zum Vorschein. Meist sind hier auch Einstellungen der jeweiligen App zu finden. Das iOS hingegen kennt keine Menü-Taste. Also müssen Apps alle Bedienelemente, auch weniger oft benutzte, am auf dem Bildschirm unterbringen. Das führt dazu, dass der ohnehin nicht zu üppige Platz auf demselben weiter minimiert wird. Oder die App-Entwickler erfinden kleine Icons, um Platz zu sparen. Dass diese Icons oft nicht gerade aussagekräftig sind und zudem manchmal einfach zu klein, um leicht mit dem Finger getroffen zu werden, scheint die eingefleischten Apple-Fans nicht weiter zu stören.

Die meisten Android-Geräte haben zudem eine separate Such-Taste (Google lässt grüßen). So kann man in jeder Anwendung, die diese unterstützt, die Suchfunktion sehr einfach und einheitlich aufrufen.

Funktion

"Aber bei Apple funktioniert wenigsten alles. Nichts stürzt ab." Ein Mythos, den man schon nach kurzer Zeit widerlegen kann. Ja, Apple nervt nicht mit Fehlermeldungen. Das iOS stellt sich lieber gleich ganz tot. Ein schönes Beispiel ist die Anwendung Hootsuite, die es sowohl für das iPad als auch für Android gibt. Trotz angeblich so leistungsfähigem Prozessor kommt es immer wieder vor, dass Hootsuite minutenlang nichts tut, vor allem wenn man gerade den Bildschirm gedreht hat. Ja, man kann problemlos zum Homescreen wechseln, doch ich will jetzt etwas von Hootsuite.

Reagiert unter Android eine Anwendung einige Sekunde nicht, so wird ein kleiner Dialog angezeigt, der anbietet, die Anwendung "abzuschießen". Das iOS hingegen zwingt den Benutzer zu einer Pause. Doch auch sonst bin ich bei iOS oft zu Pausen gezwungen. Die Zeitungs- und Magazin-Apps sind ja ganz nett. Aber warum kann ich den Download der jeweils aktuellen Ausgabe nicht automatisieren? Und selbst wenn ich den Download manuell starte, muss ich meist in der App verweilen. Wechselt man nämlich zwischenzeitlich zu einer anderen App, wird der Download zumindest unter- oft sogar abgebrochen. Als iOS-Benutzer muss man sich also in Geduld üben.

Auf beiden Plattformen gibt es natürlich auch fehlerhafte Apps, die unter bestimmten Umständen abstürzen. Android informiert den Benutzer über diese Tatsache in einem kleinen Dialogfeld. Solch unnötigen Firlefanz brauchen Apple-Benutzer natürlich nicht. Die App wird einfach beendet oder startet nicht einmal. Nicht selten wird ein iPhone oder iPad vom Benutzer deshalb als defekt gemeldet. Dabei müsste er einfach nur die fehlerhafte App deinstallieren. Dazu müsste das iOS das dem Benutzer aber auch melden.

Nicht zuletzt kann ich auch berichten, dass auch das iOS selbst zumindest jeden zweiten Tag einen Neustart braucht. Plötzlich wird das WLAN nicht mehr verbunden und auch das mobile Netzwerk will keine Daten mehr übertragen. Verhaltensweisen, die ich von Android nicht kenne. Okay, Android hat dafür auch schon mein Auto zum Absturz gebracht. Aber so häufig wie das iPad musste ich mein HTC Desire nie neu starten.

Was das iOS trotzdem besser kann

Die große Stärke und Schwäche von iOS zugleich ist iTunes. Einerseits kann man Daten mit dem PC nur austauschen, wenn man iTunes installiert hat. Und iTunes ist nicht gerade das schnellste und stabilste Stück Software, vor allem die Windows-Version brachte schon so manchen zur Verzweiflung. Doch Apple hat wenigstens ein schlüssiges Konzept, um die doch recht empfindlichen Geräte regelmäßig zu sichern und um Musik und andere Medien auf einfache Weise auf das Gerät zu bekommen.

Okay, bei Android reicht es, die Medien einfach auf die Speicherkarte zu kopieren. Doch ich bevorzuge da doch ein paar Automatismen. Viele Musik-Player unterstützten mich zwar dabei (unter anderem sogar der vielgeschmähte Windows Media Player), aber ausgerechnet das doch häufig eingesetzte iTunes verweigert die Zusammenarbeit. Und ein Backup-Konzept sucht man bei Android auch vergeblich.

Fazit und warum ich mein iPad 2 trotzdem mag

Der Mythos vom so einfach zu bedienenden iOS sollte jetzt ausreichend widerlegt sein. Trotzdem möchte ich mein iPad nicht missen. Ein großer, angenehm zu bedienender Bildschirm wiegt so manches Manko in der Bedienung wieder auf. Klar arbeitet man auf einem Tablet schneller als auf einem SmartPhone. Und die Android-Tablets sind einfach noch nicht so weit entwickelt und zudem bei vergleichbarer Leistung teurer.

Doch so mancher fragt mich jetzt, warum ich nicht lieber ein Notebook verwende? Tastatur, Anwendungen und vieles mehr müssten doch die Produktivität nochmal deutlich erhöhen. Ja, auf meinem Lenovo X201 Tablet kann ich mit Windows 7 meist noch produktiver Arbeiten als auf dem iPad, aber maximal 2 Stunden lang, nicht wenn die Sonne scheint und ich brauche auch immer einen Tisch, wenn ich eine halbwegs menschenwürdige Haltung einnehmen möchte. Hinzu kommen mögliche Haltungsschäden durch das vergleichsweise hohe Gewicht.

10 Stunden Laufzeit mit deutlich unter 1 kg Gewicht und sonnentauglichem Display steigern halt gerade im Sommer die Lebensqualität beträchtlich.

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